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Dr. med. Felix Zwicker
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Die Wirklichkeit besser verstehen

nach Mathieu Ricard

Wir stellen uns eine frisch erblühte Rose von bewundernswerter Schönheit vor. Welch eine Anmut! Nun stellen wir uns vor, ein kleines Insekt zu sein, das an einem ihrer Blütenblätter knabbert. Welch wonniger Wohlgeschmack! Dann versetzen wir uns in die Haut eines Tigers, in dessen Gesichtsfeld diese Rose auftaucht. Ob er eine Rose oder ein Bund Heu vor Augen hat, bedeutet für ihn kaum ein Unterschied. Als Nächstes begeben wir uns ins Innerste der Rose hinein und stellen uns vor, wir seien ein Atom. Nun existieren wir nur noch in Form eines Energieteilchens - in einer kaleidoskopischen Welt, im Zentrum eines Wirbels von Partikeln, die einen fast vollständig leeren Raum durchqueren. Wo ist die Rose geblieben? Wo ihre Farbe, ihre Form, ihre materielle Beschaffenheit, ihr Duft und ihre Schönheit? Und was die Partikel betrifft, haben wir es hier bei näherer Betrachtung denn überhaupt mit klar definierbaren Objekten zu tun? Durchaus nicht, sagen die Physiker. Für sie handelt es sich eher um aus der Quantenleere auftauchende "Ereignisse", um "Wahrscheinlichkeitswellen" beziehungsweise letztlich um Energie. Um Energie? Ist diese vielleicht eine Enität? Oder eher ein Potenzial, das sich - weder nichtexistent noch wirklich existent - zu manifestieren vermag?

Was bleibt da noch von der Rose?

Oder der Regenbogen:

Die hinter uns scheinende Sonne braucht nur einen Augenblick lang verdeckt oder der Regenschauer unterbrochen zu werden, schon verschwindet der Regenbogen, ohne die geringste Spur zu hinterlassen.


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